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Steinkreuze

Von Stein- und Sühnekreuzen

An Weg- und Straßenrändern oder an Wegkreuzungen haben sich bis in die Gegenwart besondere Denkmale des Mittelalters erhalten. Es handelt sich um Steinkreuze, die mehr oder weniger kunstvoll gearbeitet sind. In der Regel bestehen sie aus dem Steinmaterial, welches sich in unmittelbarer Umgebung des Standortes befindet.

Ein solches Steinkreuz wurde gesetzt, um Sühne für verschieden Taten zu leisten. Oft handelte es sich um einen Mordfall. Die im mittelalterlichen christlichen Glauben verwurzelten Menschen gingen davon aus, dass das Opfer unvorbereitet in die Seligkeit gegangen ist. Dem Täter wurde zur Pflicht auferlegt, zur Sühne verschiedene Opfer zu bringen. Unter anderem musste von ihm ein Steinkreuz als Zeichen der Buße gesetzt werden. Dieses wurde nicht immer an die Stelle der Tat gesetzt, sondern an einem belebten Weg oder an einer Straße. Viele Menschen sollten auf die Tat aufmerksam gemacht werden und gleichzeitig sprachen die Vorübergehenden ein Gebet für das Opfer.

Die Errichtung dieser Sühnekreuze fällt in die Zeit des 13. bis 16. Jahrhunderts. Nach der Reformation setzte sich langsam ein anderes Weltverständnis durch und für die Bestrafung von Mordtaten war die weltliche Rechtsprechung zuständig. Die Stein- oder Sühnekreuze haben sich bis in die Gegenwart erhalten und sie unterliegen dem Denkmalsschutz.

Um die Steinkreuze ranken sich meist Geschichten und Sagen, so auch um das Steinkreuz, welches sich an der Landstraße zwischen Ichstedt und Udersleben unter einer Linde befindet.

Steinkreuz bei Braunsroda

Das Kreuz stand an der südlichen Seite eines z.T. heute nicht mehr vorhandenen Feldweges, der an der Flurgrenze von Braunsroda und Reinsdorf vom Feldweg Braunsroda - Reinsdorf zur Fernverkehrsstraße 86 in Richtung Bretleben führte. Das Kreuz wurde letztmalig im Herbst 1984 gesehen. Die Sage berichtet von zwei Schäfern, die sich an dieser Stelle um Weideland gestritten hätten und sich dabei gegenseitig erschlugen.

Bild: suehnekreuz.de

Vermutlich steht es an dieser Stelle seit dem 15. Jahrhundert. Noch zum Ende des 19. Jahrhunderts soll auf dem Kreuz ein Beil erkennbar gewesen sein. Eine dieser Sagen erzählt:

Einſt ging ein Fleiſcher aus Bad Frankenhauſen gegen Abend nach vollbrachtem Tagewerk von Ichſtedt kommend der Heimat zu. An der Grenze zwiſchen Ichſtedt und Udersleben ſah er ein Kalb ſtehen, das ihm herrenlos erſchien.

Von Skrupel nicht geplagt, ergriff der kräftige Mann das Tier und huckte es ſich auf.
Als ihm aber beim Weitergehen das Kalb immer ſchwerer wurde, bekam er Gewiſſensbiſſe und verſuchte daher das Tier zurückzutragen. Aber noch ehe er an die Fundſtelle kam, hatte ihm der Teufel, der die Geſtalt des Kalbes angenommen hatte, das Genick umgedreht und der Fleiſcher ſank leblos zu Boden. Das Kalb ſoll noch heute in der Flur umherlaufen und die Gegend unſicher machen.

oberheldrungen Steinkreuz Juni 2014

Steinkreuz in Oberheldrungen

Aufnahme Juni 2014

Bild: Regionalmuseum

Eine andere Sage erzählt:

In der Nähe von Ichſtedt ſtanden früher 3 Kreuze in der Flur. Hier ſoll ein Glockengießermeiſter mit ſeinem Geſellen und ſeinem Lehrling den Auf‌trag zum Guß einer Glocke erhalten haben. Der erſte Guß war mißlungen. Als der Meiſter nun zum zweiten Guß ſchritt und auch das Erz bereits in der Schmelze war, glaubte er, daß die Menge nicht ausreichen würde.

Er machte ſich daher auf den Weg nach Frankenhauſen, um von dort noch Erz zu holen, ſeinen Lehrjungen ließ er aber an der Stelle zurück, damit dieſer das Feuer unter der Schmelze unterhielt. Der verſpürte aber große Luſt, ſich ſelbſt einmal zu verſuchen, handelte gegen des Meiſters Anordnung und Befehl und ließ die Glockenſpeiſe in die Form laufen. Der Guß gelang. Als der Meiſter nun von Frankenhauſen zurückkam und feſtſtellen mußte, daß der Lehrling gegen ſein Gebot gehandelt hatte, ſchlug er dieſen brutal zu Tode.

Der ihm mit Erz nachfolgende Geſelle hatte den Totſchlag mit anſehen müſſen. Da er ihn ungerechtfertigt fand, empörte ihn die Tat ſeines Meiſters und erſchlug den Jähzornigen, dann aber legte er ſelbſt Hand an ſich, weil auch er ungerecht gehandelt hatte. Für die drei Glockengießer wurden ſpäter drei unterſchiedlich große Steinkreuze geſetzt, das größte für den Meiſter, das mittelſte für den Geſellen und das kleinſte für den Lehrling.

Heute steht an der vermeintlichen Stelle noch ein Steinkreuz, welches gleichzeitig die Flurgrenze zwischen Udersleben und Ichstedt bildet.

Seehausen suehnekreuz Juni 2014

Sühnekreuz in Seehausen

Aufnahme Juni 2014

Bild: Regionalmuseum

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