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Vortrag: 30jähr. Krieg (2019) #1

Transkript des Vortrages vom 19. November 2019 von Dr. U. Hahnemann im Regionalmuseum Bad Frankenhausen

»Go gebe Friede zu unſern Zeiten«

Uns bot sich im Jahr 2018 die seltene Gelegenheit aus Anlass der Abnahme des Turmknopfes der Oberkirche - heute eher bekannt als der »Schiefe Turm« - diesen zu öffnen und auf eine ganze Reihe von Schriftstücken zu stoßen. Eines dieser Schriftstücke führte uns in das Jahr 1627, in die Zeit des 30jährigen Krieges und zwar in das zweite Jahr, als es hier in Frankenhausen und Umgebung wirklich erst richtig für uns losging. Die ersten Jahre, das werden wir noch sehen, waren relativ »ruhig«.

schrift 1627 turmknopf 2018
Schreiben vom 28. April 1627 aus dem Turmknopf der Oberkirche zu (Bad) Frankenhausen

Das Schriftstück wurde abgefasst in der Regierungszeit des Schwarzburger Grafen Albrecht Günther. Jener wird uns im Laufe des Vortrages noch öfters begegnen. Es werden darin aufgeführt einige Angehörige der Pfännerschaft, der »Salzgräfen«, der Bornherren aber auch Angehörige des Stadtrates, was damals zweifellos ein Ereignis war.

In dem Schreiben wird weiterhin berichtet, dass es einerseits eine Besetzung der Stadt gab, durch Herzog Georg zu Braunschweig und Lüneburg, wobei die Stadt hohe Kontributionen in Höhe von 1.000 Talern wöchentlich zahlen musste. Andererseits wurde berichtet, dass sich 1621 das Geld verschlechterte - die Münze, d. h. die Zeit der Kipper und Wipper, und dass diese Periode einige Jahre anhielt. Es geht aber auch daraus hervor, dass man sich auch voll bewusst war, was außerhalb von Frankenhausen geschieht.

Sie wissen aber auch, dass insgesamt rund 100.000 Mann unter Waffen stehen, dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, die meisten davon damals noch im Dienste des Kaisers, der fast auf dem Höhepunkt seiner Macht war, und dass diese Truppen nun u. a. auch hier in Frankenhausen und Umgebung stehen. Sie wünschen sich nichts sehnlicher, als dass »Go gebe Friede zu unſern Zeiten«.

Unser Titel ist somit aus diesem Stück Pergament gewählt, welches wir natürlich wieder zurückgegeben haben. Es befindet sich heute wieder oben im Turmknopf, in einer neuen Hülse. Im letzten Jahr (im Herbst 2018) war dieser »besondere Inhalt« auch hier bei uns im Museum zu besichtigen.

Dieses Schriftstück ist folglich unser Ausgangspunkt. Damit beginnen wir.

Was ist nun aber für uns der Hintergrund im Hinblick auf den 30jährigen Krieg?

Eins vornweg - wir werden uns hier nicht nur allein auf 30 Jahre beschränken - der Krieg hatte für die einen oder anderen unterschiedlich Auswirkungen. Bei uns geht es relativ spät erst los. Endet dafür auch erst viel später, als in manch anderen Regionen.

Ausgangspunkt ist - das kennen die meisten sicherlich - der Fenstersturz in Prag, aus der Prager Burg, am 23. Mai 1618.

Zu diesem Zeitpunkt sind aber jene Ereignisse für uns noch ganz weit weg. Sie spielen kaum eine Rolle, bis auf die eine Ausnahme, dass Kursachsen involviert ist und bei Kursachsen werden die Gäste, die vielleicht aus Artern, Heldrungen usw. zu uns gekommen sind - die ehemaligen Mansfelder Gebiete - einfach wissen, sie gehörten damals zum Kurfürstentum Sachsen.

Ihre Mansfelder Grafen haben nichts mehr zu sagen. Direkt vor den Toren von Schwarzburg, also Borxleben, Ichstedt, Ringleben grenzt Kursachsen an. Und der Kurfürst von Sachsen Johann Georg I. ist eigentlich derjenige protestantische Schutzfürst, der auf einmal gefordert ist. Er macht aber teilweise seine Grenzen dicht. Böhmische Flüchtlinge können aus Böhmen gar nicht nach Sachsen hinein. Sie werden teilweise sortiert und es werden nur einige aufgenommen. Erst nach und nach nimmt man auch mehr Flüchtlinge auf. Das aber im erst Verlauf des Krieges bei eigenen Bevölkerungsverlusten.

Was spielt sich bei uns in der Gegend ab? Kurfürst Johann Georg I. lässt 1620 und auch im besagten Jahr 1627 die Fürsten aus Deutschland in die Reichsstadt Mühlhausen einladen. Dem folgt u.a. der Herzog von Bayern, eher bekannt dann später als der große Kurfürst von Bayern Maximilian I. Hier in Mühlhausen wird nun darüber verhandelt, was wäre jetzt zu machen, damit die Protestanten unter diesem Ereignissen nicht komplett ihrer Interessen verlustig gehen. Er holt einige Vorteile heraus, einige Kompromisse, aber der eigentliche Vorteil liegt für ihn in bestimmten Gegebenheiten zu denen wir später noch kommen.

Noch aber herrscht Ruhe bei uns.

Ein altes Bild von 1986 zeigt den Schieferhof in Gorsleben, eines der schönsten Fachwerk-Bauwerke, das wir hier im ehemaligen »Kreis Artern« bzw. im heutigen Kyffhäuserkreis haben. Es ist 1620 neu erbaut wurden, wie eine Inschrift belegt. Am Portal des Turmes befindet sich das Wappen des Ehepaares Heinrich von Germar und Martha von Bendeleben, welches auf dieses Jahr 1620 hinweist. Das Bauwerk ist heute wunderbar erhalten. Dass es aber im 30jährigen Krieg ganz persönlich bedroht war, werden wir dann noch sehen. Deswegen soll hier am Anfang darauf verwiesen werden.

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Schieferhof in Gorsleben, 1986
Bild: Sammlung Regionalmuseum

 

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Inschrift von Heinrich von Germar und Martha von Bendeleben am Turmportal
Bild: Sammlung Regionalmuseum

Nun, zu jener Zeit wird es wohl in Frankenhausen so ähnlich wie auf nebenstehen Bild ausgesehen haben. Zu sehen die alte Bachmühle mit Teich. Kein Soldat, der weit und breit zu sehen ist, der die Felder plündert, noch dass die Bevölkerung beraubt wird - noch!

Und 1625 ist ein Jahr, in dem auch zum ersten Mal der Bachmüller mit Namen genannt wird und als »Bachmüller« angesprochen wird. Das alles in den ersten Jahren des 30jahrigen Krieges.

Etwas weiter von Frankenhausen entfernt herrscht ebenso noch eine gewisse Idylle. Sondershausen hat 1620 gerade seine wiedererichtete St. Trinitatiskirche geweiht und bereits ein Jahr später brennt ein großer Teil der Stadt samt Trinitatiskirche wieder ab. 1621 ein Einschnitt in der Region, der für uns - die Kreisstadt würden wir heute sagen - aber damals die wichtigste Residenz neben Frankenhausen, der Schwarzburger betrifft. Wir sind eigentlich momentan mehr oder weniger noch mit uns selber beschäftigt, bevor überhaupt die Kriegsereignisse zu uns kommen.

Etwas anders sieht es aber für diejenigen aus, die zu Kursachsen gehören, also alles was Heldrungen, Oberheldrungen, Artern oder bis weiter in Richtung Rossleben betrifft. Für jene wird es schon etwas kritischer.

1611 bis 1613 ist in Kursachsen ein neues Verteidigungswerk ein sogenanntes »Defentionswerk« in Gang gesetzt wurden.

Die Bevölkerung ist neu eingeteilt wurden, ihr Territorium zu verteidigen. Jetzt werden diese Leute, die sogenannten »Demissioner« gefordert.

Kurfürst Johann Georg hat sich entschlossen für den Kaiser in Richtung Böhmen einzugreifen und zu Böhmen gehört das, was heute zu Deutschland gehört, nämlich die Obere und Untere Lausitz. Wenn damals der Kaiser demnach nicht interveniert hätte, dann befände sich dort auf dieser Seite heute Tschechien.

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Die Belagerung von Bautzen durch Johann Georg I. von Sachsen im September 1620
Matthäus Merian d. Ältere
Bild: gemeinfrei

Johann Georg lässt sich vom Kaiser verbürgen, dass, wenn er die Nieder- und Oberlausitz erobert, dies ihm als Pfand übergeben wird. Für dieses Unterfangen braucht er aber natürlich Truppen. Die lässt er bis Artern und Heldrungen ausheben. So müssen die ersten Soldaten in diesen Krieg hinein, auf der Seite Sachsens und rücken in das damalige böhmische Gebiet der Ober- und Unterlausitz ein.

Im September 1620 fällt Bautzen und bis 1621 wird die gesamte Nieder- und Oberlausitz erobert. Danach kehren diese Soldaten wieder heim. Jene sind jedoch keine richtigen Söldner. Es sind einfache Handwerker, Bauern, die regional eingezogen (ausgehoben) werden und die nun Vorort für ihren Kurfürsten kämpfen müssen.

Das war das wichtigste Unterpfand, der wichtigste Erwerb Kursachsens in diesem Krieg. Um dieses Gebiet dreht sich bei Johann Georg am Ende alles.

Die Zeit der Kipper und Wipper - die Geldverschlechterung

Vor allem Kleinmünzen werden knapp, oder aber sie werden gestreckt, indem viel mehr Kupfer eingesetzt wird. Die Geldverschlechterung ab 1620/21 bis etwa 1622 nimmt ganz stark zu. Erst 1623 kommt es wieder zu einer Beruhigung.

Selbst Artern hat zwei Münzen aufzuweisen, die jedoch nicht vom Kurfürsten betrieben werden. Sie werden verpachtet und die Pächter versuchen natürlich alles zu strecken, was an Geld möglich ist. Weil der normale Münzmeister sonst eigentlich nicht auf sein Geld kommt, außer bei guten großen Werten, Gulden und Taler.

Erst 1623 bemüht sich Kursachsen das Münzen wieder in rechte Bahnen zu bringen. Die Münzen werden geschlossen. Der Kurfürst nimmt das Geschäft wieder in seine Hände und das hat auch Auswirkungen auf Schwarzburg.

Auch die Schwarzburger im Raum Frankenhausen/ Sondershausen prägen später wieder entsprechend gutes Geld mit hohem Silberanteil. Und 1623 wird ein Taler für das gesamte Schwarzburgische Gebiet einschließlich Arnstadt-Rudolstadt geprägt. Er zeigt innen ein Attribut der Schwarzburger. Im Jahre 1349 hatten sie einst einen deutschen König gestellt, wenn auch nur als »Gegenkönig« - gegen Karl IV. . Dieser Gegenkönig Günther von Schwarzburg wird nun darauf abgebildet. Es ist der sogenannte »Königstaler«, bei den Schwarzburgern somit ein besonderer Wert eines neuen Geldstücks.

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Graf Johann T‘Serclaes von Tilly (1559-1632)
Bild: gemeinfrei

 

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König Christian IV. von Dänemark, Gemälde von Pieter Isaacsz, 1611–1616
Bild: gemeinfrei

Doch nun kommen die Vorboten auch zu uns. Es ist der Siegeszug, den der Kaiser hat, vor allem aber auch Herzog Maximilian von Bayern. Sein Feldherr Tilly ist damals noch die entsprechende Größe, Wallenstein ist erst noch im Kommen. Und der Gegner kommt aus dem Norden. König Christian IV. von Dänemark lässt sich als Herzog von Schleswig und Holstein entsprechend im Niedersächsischen Kreis zum Kreisobersten wählen und führt für die Protestanten Krieg gegen die katholische Seite. Er rückt zunächst vor, wird aber dann im heutigen Niedersachsen von Tilly gestellt und schließlich auch von Wallensteins Truppen geschlagen.

Diese katholischen Truppen kommen nun auch in unser Gebiet. Sie durchstreifen die Lande und benehmen sich nicht grade so, wie man es erwarten würde, denn die Schwarzburger sind zum damaligen Zeitpunkt noch ganz treu auf der Seite des Kaisers.

In einer sogenannten »Kontributionsakte« aus dem Frankenhäuser Stadtarchiv befindet sich ein Register über die Truppen des Grafen Jean de Merode, die mehrere Jahre ab 1626 durch unser Gebiet ziehen und es bis ins Jahr 1629 hinein besetzen. Hier wird das erste Mal aufgeführt, wer welche Geldbeträge zu entrichten hat, die Kontribution. Es wird einfach befehligt, die Stadt hat 1000 Taler zu bringen. Daraufhin werden die 1000 Taler auf die Bevölkerung umgelegt, und jeder hat entsprechend seinen Beitrag zu löhnen. Das gilt ab diesen Zeitpunkt jahrein jahraus, egal wer kommt. Hier ist aber das allererste mal aufgeführt, wie diese Truppen »agierten«.

Die Bevölkerung macht seit dem Schmalkaldischer Krieg, der viele Jahre zurückliegt eine »längere« Friedensperiode durch. Man kann sich das vielleicht so vorstellen: Schmalkaldischer Krieg 1546/47 mit seinen Auswirkungen bis zum Religionsfrieden 1555 ist bis in das Jahr 1626 eigentlich hier in der regikon Frieden. Das wäre ungefähr so, wenn wir einmal zurückschauen, 1945 ist Frieden, 2. Weltkrieg ist zu Ende. Wir haben heute noch Frieden. Und jetzt auf einmal käme die Kriegsfurie zu uns. So etwa wäre das von den Jahren her (Zeitspanne) zu verstehen.

Diese Kriegsfurie kommt nun mit voller Wucht. Die Leute werden nicht bloß zur Kontribution gebeten, sondern obendrein werden die Häuser das erste Mal besetzt und ausgeplündert. Es kommt zu Übergriffen auf die Bevölkerung. Bis dahingehend, dass die Bevölkerung männlicherseits gezwungen wird, durch Zufügen von Qualen preiszugeben, wo sie ihr Geld versteckt hat. Und es wird das erste Mal in dieser Akte auch von Vergewaltigung gesprochen. Das Ausmaß des Krieges ist ab diesem Tag in all seiner Grausamkeit voll präsent. Ab diesem Tag hat die Bevölkerung bis zum Ende des 30jährigen Krieges diese Ereignisse immer wiederkehrend vor Augen, sie sind allgegenwärtig.

Wie äußert sich das im Einzelnen in der hiesigen Umgebung? In Udersleben jedenfalls wird dem sogenannten »Schwarzburger Oberhirten« die gesamte Schafherde entwendet. Es kommen am Ende zwar ein paar Tiere zurück, nachdem die Schwarzburger sich beschweren. Aber es wird über diese Kontribution hinaus alles erhoben oder beschlagnahmt, was nicht niet- und nagelfest war.

Ein Übergriff ist zum Beispiel auch für das Dorf Esperstedt bekannt. 1626 wird die Kirche zerstört. Für den religiösen Hintergrund ein ganz schwerer Eingriff, denn die Truppen des Grafen von Merode, die hierfür verantwortlich sind, sind katholische Truppen. Sie kommen also aus katholischen Regionen, darunter sind gewiss auch Protestanten, aber in der Regel sind das Leute, die im heutigen Belgien geboren wurden, Valonen, bzw. sie kommen aus katholischen Gebieten in Westfahlen, in denen der Graf von Merode zuhause ist. Man hat als Protestant somit das erste Mal diese katholischen Truppen seit dem Schmalkaldischen Krieg vor Augen und deren Übergriffe auf die Gotteshäuser gefolgt mit Zerstörung.

Die Esperstedter machen sich alsdann an den Wiederaufbau und im Jahre 1636 haben sie ihre Kirche wieder errichtet. Sie haben jedoch ein weiteres Problem - auch die Glocke wurde zerstört. In einem Schriftstück, auch bei uns im Bestand des Stadtarchives, bitten sie die Stadt Frankenhausen, ob sie möglicherweise die Glocke des Hausmannsturms bekommen könnten. Bei dieser handelt es sich allerdings nicht um eine Kirchenglocke, sondern die Glocke auf dem Hausmannsturm ist die Alarmglocke für die Meldung der Brände im Salzwerk. Um diese Glocke geht es nun in diesem Schriftstück. Aber diese Glocke bekommen sie nicht, weil die Frankenhäuser fürchten, dass sie dann dort oben keine Glocke zur Meldung eines Brandes haben.

Man lässt die Esperstedter zwar ihre Kirche errichten, aber eine Glocke wird ihnen zu diesem Zeitpunkt nicht übergeben. Weder von einer anderen Kirchgemeinde noch vom Hausmannsturm. Aber es ist ein wichtiges Attribut, was man manchmal, wenn man nun nicht gerade religiös ist, nicht unbedingt nachvollziehen kann. Religion spielte damals jedoch eine sehr wichtige Rolle. Um das ordnungsgemäße Ablaufen des religiösen Lebens zu gewährleisten, gehörte eben nun mal auch eine Glocke, die die Gläubigen zum Gottesdienst ruft.

Dann haben wir immer vor Augen – Wallenstein, er verbindet sich damit, dass der Krieg den Krieg ernährt. In einem Schriftstück im Namen des Kaisers für Wallenstein ausgestellt, erhält er das Privileg, welches ihn ermächtigt, einerseits für Ruhe und Ordnung zu sorgen, aber andererseits bestimmte Dinge zu verlangen, d.h. er kann Kontribution erheben, er kann Einquartierungen vornehmen usw.

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»Wallenstein« - Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein
Bild: gemeinfrei

 

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Kaiserliches Patent für Albrecht von Wallenstein,
Vordruck ausgefüllt im »Hauptquartier« Frankenhausen 1627.
Bild: Stadtarchiv Bad Frankenhausen

Anfänglich noch etwas von Bedeutung war auch der Umstand, dass er auch bestimmte Gräuel seiner Soldaten bestrafen kann. Das kommt auch hin und wieder vor, aber nicht zwangsläufig. Ein weiteres interessantes Schriftstück präsentiert sich uns, ein Vordruck, außerdem eingetragen der Ort, an dem es ausgestellt wurde – im »Hauptquartier« Frankenhausen im Jahre 1627.

1627 werden dann die Schwarzburger das erste Mal so richtig munter, weil es jetzt natürlich an ihre Substanz geht. So wenden sich 1627 alle Schwarzburger Grafen - es gibt mehrere Regierende, die Linie Sondershausen, die Linie Rudolstadt, den Zweig Arnstadt, Stadtilm usw. - gemeinsam nach Wien an die Hofburg. Aber die Antwort des Kaisers ist unmissverständlich: Entweder ihr steht 100% zu mir und gebt dann meinen Truppen das Erforderliche, oder aber ihr seid meine Gegner.

Hier war demnach ein hoher Offizier von Wallensteins Truppen Vorort, der im Namen Wallensteins dieses Dokument ausgestellt hat. Er hat der Stadt Frankenhausen einen Schutzbrief übergeben, aber gleichzeitig verbunden mit der Aufforderung, obendrein die Truppen zu versorgen.

Ohne Umschweife macht der Imperator deutlich, dass er sich auf dem Höhepunkt der Macht befindet. Er kann problemlos einem Fürsten der Region vorschreiben, was er zu tun und zu lassen hat. Das müssen die Schwarzburger wohl oder übel zur Kenntnis nehmen. Es ist dabei wie immer bei den Schwarzburgern zu verschiedenen Zeiten, sie besitzen keine eigenen Truppen und können somit machtmäßig nichts geltend machen. Das wird den ganzen Krieg hindurch so sein und wird dementsprechende Auswirkungen haben.

Die erste Auswirkung ist ganz offensichtlich. Der im o.g. Pergament erwähnte Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg ist 1627 hier in der Region mit einem Hauptquartier direkt in Frankenhausen präsent. Das Dokument der Stadtväter an den Herzog Georg beinhaltet die Bitte, die Stadt doch möglichst weitestgehend zu verschonen und die 1000 Taler, die man wöchentlich zur Versorgung zu seiner Truppen leistet, zu reduzieren.

Darauf lässt man sich natürlich nicht ein. Der Mann ist hier zudem nicht ganz uneigennützig. Wir sehen ihn hier zusammen mit seiner Gemahlin  am Epitaph in der Stadtkirche St. Marien in Celle. In der Region gibt es eine Dame, seine Schwester, die hier zu Hause ist, Gräfin Clara von Schwarzburg ehemals Frankenhausen, später in der Unterkirche beigesetzt nach ihrem Tod. Sie durchlebt den gesamten 30jährigen Krieg auf dem Schloss in Heringen. Sie liegt aber mit ihrem Bruder, mit ihren Verwandten, den Schwarzburgern im Clinch. Gräfin Clara holt ihren Bruder hierher, der für den Kaiser kämpft, lässt Truppen bei den Schwarzburgern in Sondershausen, Ebeleben und Frankenhausen einrücken, um Druck auf ihre Verwandtschaft auszuüben, damit sie ihr für den Witwensitz in Heringen das nötige Kleingeld geben.

Es wird auch direkt versucht zu fordern, indem man einen gewissen Umstand ausnutzt. In Friedenszeiten wäre Herzog Georg niemals hierher in die Region gekommen, er hätte sich mit seinen Truppen nicht rühren dürfen. Jetzt kämpft er hingegen für den Kaiser und er kann Bedürfnisse geltend machen und seine Truppen marschieren lassen, wohin er will. In diesem Fall kommen die Truppen zu uns und sie setzen für Clara eine ganze Menge durch. Die Stadt Frankenhausen, das Amt Frankenhausen hat somit nach Heringen einiges an Tribut zu entrichten, sowohl in Naturalien als auch Geld.

Also eine rein private Angelegenheit, wenn man so will. Und nun kommt etwas Interessantes hinzu. Mit diesen Truppen von Herzog Georg kehrt ein Mann zurück nach Frankenhausen: Johann Meyer, der hier geboren wurde. Die Original-Grabplatte, befindet sich heute in der Unterkirche.

Der Mann stirbt 1627 in Frankenhausen. Er lässt sich einen sehr aufwendigen Grabstein anfertigen, der sehr ausgeprägt ist. Ein wunderschönes Stück. Er hat darüber hinaus eine bestimmte Bewandtnis. Der Mann hat für verschiedene hohe Häupter gekämpft. Das macht er an seiner Kleidung deutlich.

Er trägt eine Kette mit einigen Medaillonbildnissen. Er verweist mit einem Finger auf ein Medaillon. Das ist niemand anderes, als König Siegesmund III. Wasa von Polen. Bei Wasa werden vielleicht einige stutzig; er stammt aus dem gleichen Haus, wie der Schwedenkönig Gustav Adolf. Die haben miteinander Krieg geführt, d.h. unser Johann Meyer hat im Dienste der Polen bereits gegen Schweden gekämpft, bevor überhaupt der Schwede hier ins Gebiet hereinbricht. Der Schwede greift bekanntlich erst nach einem Waffenstillstand mit den Polen in den Krieg mit Deutschland ein.

Er verweist auf ein zweites Medaillon - das ist Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg, für den er zuvor gekämpft hat. Wir haben also direkt vor Augen einen Obristen, also in einem höheren Dienstgrad. Es ist anzunehmen, dass er sich hochgedient hat. Er wird hier in Frankenhausen als einfacher Bürger geboren, hat 27 Jahre - wie er selber auf der Inschrift zu verstehen gibt – gekämpft u.a. für verschiedene Fürsten und hohe Häupter, den polnischen König, wie auch den Kaiser in Deutschland. Ein ganz besonderes Artefakt bei uns in der Unterkirche.

Pestjahre 1626 und 1636 fordern 1.749 Todesopfer

In diesen Jahren, 1627 - 1629, ist Kaiser Ferdinand II. auf einem absoluten Höhepunkt. 1629 kapitulieren die Dänen in Lübeck, ganz Jütland ist besetzt, die Dänen halten mit ihrer Flotte nur noch ihre Inseln. Damit ist der Kaiser auf einem machtpolitischen Zenit. Aber für die Region ist es eine Zeit, in der die Besetzung beginnt. Zudem wirken auch einige andere Einflüsse dahingehend, dass großer Teil der Bevölkerung stirbt, ohne Einfluss von Kampfhandlungen oder Einquartierungen: Wir haben zwei starke Pestjahre 1626 und 1636.

Auf nebenstehender Lithographie ist vorn die ehemalige Spitalkirche St. Severin, im Hintergrund die Oberkirche zu sehen. Der einstige Standort der Spitalkirche ist dort, wo sich heute das Wilhelmstift befindet, in der Stiftsraße.

Hier wurden die Pestkranken auch versorgt. Und in der Nähe dieses Stiftes werden sie auch zum großen Teil beigesetzt. Vor einigen Jahren gab es recht viel Aufregung. Es wurde am Flutgraben bei der Brückenbauinstandsetzung in der »Seehäuser Str.« einige Gräber gefunden, die auch mit Kalk überschüttet waren und bei denen man vermutet hat, dass es sich um Pestgräber handeln könnte. Man hat auch einige Untersuchungen an Knochen vorgenommen, allerdings daraufhin festgestellt, dass die Reichweite der Beisetzungen bis in das 15. Jh. zurückgeht. Also nicht nur Pesttote aus der Zeit des frühen 17. Jh. vorzufinden waren.

Hier wurden die Pestkranken außerhalb der Stadttore versorgt. Bei einer Bevölkerungszahl von knapp über 3.400 bis etwa 3.500. Zum Vergleich: knapp 2.000 waren es bei Ausbruch des Bauernkrieges 1525. Die Todeszahlen der männlichen Bevölkerung damals etwa 130. Die Bevölkerungszahlen steigen zwar in den Friedensjahren allmählich an und man kommt auf etwa knapp 3.400 - 3.500 Einwohner. Davon sterben jedoch allein in den zwei Jahren immerhin 1.749. Ein ganz gewaltiger Einschnitt, wodurch die Stadtbevölkerung hier drastisch absinkt. Somit sind viele Berufe gar nicht mehr ausführbar bzw. vertreten. Das Gleiche vollzieht sich aber auch auf den Dörfern. Wenn wir Ichstedt betrachten, allein 1626 sind 140 Todesopfer zu beklagen. Auch ein Jahr was heraussticht. Hier wird deutlich, dass die Bevölkerung ohne diese Einquartierungen usw., Verluste durch Kampfhandlungen, ganz drastisch zurückgeht.

Zugleich tritt in Ichstedt ein gewisser Hauptmann von Gehofen in Erscheinung. Jener hat aber nichts mit der Gemeinde Gehofen zu tun. Auf Schloss Ichstedt ist er ab 1630 der Landeshauptmann in Frankenhausen. Er ist also die Person, die für die Schwarzburger Grafen hier die Verwaltung führt. Der Mann wird das die restliche Zeit bis nach den 30jährigen Krieg auch ausüben mit unterschiedlichen Möglichkeiten der Einflussnahme. Wir haben leider kein Bild von ihm.

Er hat einen zweiten an seiner Seite, einen Frankenhauser, Stephan Bonner (1584 – 1657). Von ihm haben wir ebenfalls kein Bild, aber es gibt einen Stiftungsbrief aus dem Jahre 1618 im Stadtarchiv mit einem ganzen Stammbaum der Familie.

Eine Bonnersche Stiftung, eigentlich eine Familienstiftung, aber später dann auch für andere Frankenhäuser, die studieren und höhere Schulen besuchen wollen, bietet diese Geld als Unterstützung an. Dieser Stephan Bonner wird auf dem »Blauen Hof« in Ichstedt Erbherr. Er bekommt ein höheres Gut. Ab 1634 wird er gar schwarzburgischer Kanzler und Vorsitzender des Konsistorium. Und diese beiden, der Hauptmann von Gehofen und Stefan Bonner, werden weitestgehend die »Staatsgeschäfte« führen. Von den Schwarzburger Grafen hingegen werden wir in Frankenhausen kaum etwas vernehmen.

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